Interview mit Deggendorfer Zeitung

Paul Linsmaier: "Mit viel Elan und Leidenschaft"

Interview zur Bundestagskandidatur mit der Deggendorfer Zeitung vom 02.07.2016

Warum wären Sie der richtige Bundestagskandidat für die CSU im Wahlkreis?

Weil mir unsere Region, unsere Heimat am Herzen liegt. Ich bin Teamspieler, der sich seit vielen Jahren leidenschaftlich in der Kommunalpolitik engagiert.

Das bedeutet im politischen Alltag?

Zuhören, die Fakten kennen und dann gemeinsam eine Entscheidung treffen. Ich habe gelernt, dass das die Grundlage dafür ist, etwas erreichen zu können. Alleine erreicht man sehr wenig. Egal, wie es am 23. Juli ausgeht, letztlich zählt, dass man Politik im Interesse der Menschen macht. Das geht nur gemeinsam und wenn man die Sorgen und Nöte kennt. Das ist das Angebot, das ich machen will.

Welche politischen Erfahrungen können Sie in die Waagschale werfen?

Da ist einerseits meine kommunalpolitische Verantwortung und Verwurzelung vor Ort. Ich bin Mitglied des Kreistages und Jugendbeauftragter des Landkreises. In den Stadtrat wurde ich mit dem zweitbesten Ergebnis aller Stadträte wiedergewählt. Außerdem bin ich Fraktionsvorsitzender – als jüngster einer Mannschaft von 19 selbstbewussten Stadträten sammelt man viel Erfahrung. Ich habe schnell gelernt: Ich brauche das Wissen der Erfahrenen und den Schwung der Jüngeren. In der Kommunalpolitik wissen wir jeden Tag, dass Schlagzeilen oder Talkrunden nichts besser machen und kein Problem lösen. Am Ende des Tages muss eine positive Entscheidung zum Wohle der Menschen stehen. Für diese Entscheidung braucht man eine Mehrheit. Zu meiner kommunalpolitischen Erfahrung kommt auch mein Engagement als JU-Bezirksvorsitzender und als RCDS-Landesvorsitzender. Ich war drei Jahre im CSU-Parteivorstand bei Horst Seehofer, sitze zudem seit vielen Jahren im CSU-Bezirksvorstand und habe daher zu allen niederbayerischen Bundestags- und Landtagsabgeordneten und Landräten einen guten Kontakt. Auch über die Grenzen Niederbayerns hinaus habe ich mir ein überregionales Netzwerk aufgebaut. Da lernt man, wie Politik funktioniert – und gleichzeitig weiß man genau, was die Sorgen vor Ort sind.

Was sind die drei wichtigsten Ziele, die Sie als Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis erreichen möchten?

Ein alter Hase hat mir gesagt: man sollte nicht mit Wahlversprechen antreten, weil man erst in die Aufgabe hineinwachsen muss. Klar ist aber, dass das Thema Wirtschaftsförderung – und damit verbunden der Ausbau der Infrastruktur – oberste Priorität haben muss. Wirtschaft bedeutet Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, und wir müssen im ländlich geprägten Raum die Arbeit zu den Menschen bringen. Der Demographischen Entwicklung entgegen zu wirken, treibt mich genauso um, wie die Innere Sicherheit und die Zukunft Europas.

Als Aufgabe eines Bundestagsabgeordneten sehe ich aber viel mehr an, den Bürgern, den Kommunen und der Gesamten Region, in Berlin eine starke Stimme zu geben. Und man muss für die Region etwas aus Berlin zurückholen, zum Beispiel in Form von Fördermitteln. Da ist Barthl Kalb wohl das Beste Vorbild, das man sich nehmen kann.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit der Frage einer möglichen Bundestagskandidatur?

Ernsthaft zum Thema geworden ist es ab dem Punkt, als tatsächlich klar war, dass Barthl Kalb aufhört.

Wie gut kennen Sie den Landkreis Freyung-Grafenau und die vier Passauer Gemeinden, die nun zum Wahlkreis gehören?

Gut, insbesondere durch meine Tätigkeit als JU-Bezirksvorsitzender sind mir die Verantwortlichen, Orte und Gemeinden natürlich bekannt. In Fürstenstein war zum Beispiel erst vor ein paar Wochen die Klausurtagung der JU Niederbayern, in Freyung im letzten Jahr unsere Bezirksversammlung. Den Landkreis Freyung-Grafenau kenne ich auch aus der Bundeswahlkreiskonferenz, in der ich als JU-Kreisvorsitzender Mitglied war. Aber natürlich wäre es vermessen, wenn ich sagen würde: ich kenne jedes Eck. Aber ich will jeden Winkel kennen lernen.

Umgekehrt: Haben die Delegierten aus den Nachbarlandkreisen ein umfassendes Bild von Ihnen, oder haben Sie nun noch Aktivitäten gestartet, um bekannter zu werden?

Als Bezirksvorsitzender war und bin ich viel unterwegs, aber natürlich kann ich nicht sagen, jeder Delegierte hat ein umfassendes Bild von mir. Zudem werden die Delegierten erst nächste Woche gewählt. Aber ich habe für jeden Zeit, der auch außerhalb der Vorstellungsrunden mit mir ins Gespräch kommen möchte.

Wie erleben Sie den innerparteilichen Wahlkampf?

Man merkt, dass alle großes Interesse haben und Fragen in alle Richtungen stellen. Sie wollen genau wissen, wer vielleicht bald ihre Belange vertritt.

Wie laufen die parteiinternen Vorstellungsrunden ab?

Sehr ruhig und fair. Bei den Veranstaltungen im Landkreis Deggendorf gibt es eine kurze Einführung von Bernd Sibler zum Verfahren, dann stellen sich die drei Kandidaten vor. Man merkt, dass es inhaltlich zwischen uns nicht die ganz großen Unterschiede gibt. Deshalb geht es auch mehr um die Art, wie wir Politik machen.

Ist die Sache für den einzelnen Delegierten am 23. Juli schon entschieden, oder kann das Auftreten der drei Kandidaten nochmal was verschieben?

Ich denke schon, dass man auf Nominierungsversammlungen viel gewinnen, aber auch viel verlieren kann.

Ein Vorbehalt Ihnen gegenüber, der immer wieder zu hören ist: Da will einer Berufspolitiker werden. Sind Sie zu jung?

Barthl Kalb kam mit 29 in den Landtag, Bernd Sibler mit 27, Sebastian Gruber wurde mit 30 Landrat und Olaf Heinrich mit 29 Bürgermeister. Betrachtet man ihre Leistung, war deren Alter sicher kein Nachteil. Am Tag der Bundestagswahl werde ich 34 sein, da wäre ich in dieser Riege der Älteste.

Hinter der Berufspolitiker-Kritik steht ja letztlich die Befürchtung: Ihre Karriereplanung könnte Ihnen wichtiger sein als das Engagement für eine kleine Gemeinde im Bayerischen Wald.

Ich glaube, dass ich gerade bei der letzten Kommunalwahl das Gegenteil bewiesen habe. Das gute Ergebnis hätte ich nicht bekommen, wenn ich mich nicht um jeden Weiler und jeden Ortsteil in Deggendorf gekümmert hätte. Und in den Kreistag wird man auch nicht allein dafür gewählt, dass man jung ist und etwas werden möchte.

Sie werben für einen Generationswechsel – mit welchem Argument?

Es ist völlig klar, dass es seine Zeit dauert, bis man sich in Berlin ein Netzwerk aufgebaut und das Geschäft gelernt hat. Bei einem jungen Kandidaten hat der Wahlkreis die Möglichkeit zu Kontinuität und Verlässlichkeit – ohne sich dabei etwas zu verbauen. Wenn mir die Delegierten das Vertrauen schenken, werde ich als Junger mit viel Elan und Leidenschaft anschieben. Mir ist aber auch bewusst, dass man um dieses Vertrauen alle vier Jahre neu werben muss.

Sie sind Diplom-Physiker, aber vermutlich ist nicht jedem klar, was Sie genau arbeiten.

Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Regensburg. Die eine Aufgabe ist es zu forschen. In meinem Fall ist es die experimentelle Grundlagenforschung in der Nanotechnologie, also den Materialien der Zukunft. Der andere Teil meiner Arbeit ist die Lehrverpflichtung, ich betreue Studenten für ihre Abschlussarbeiten, halte Übungen oder korrigiere Klausuren. Zudem bin ich für die EDV an unserem Lehrstuhl verantwortlich.

Wie wird man ein guter Bundestagsabgeordneter?

Das geht nur mit der Unterstützung der Menschen vor Ort. Man muss gerade in unserem ländlich geprägten Bundeswahlkreis bereit sein, unglaublich viel unterwegs zu sein. Und das ist etwas, was ich seit vielen Jahren gewohnt bin. Als Bezirksvorsitzender fahre ich, für Termine quer durch Niederbayern. Man braucht ein Netzwerk, weil man alleine nichts erreicht, man muss immer andere Leute mitnehmen und überzeugen. Man muss auf allen Wegen für die Menschen erreichbar sein, am Stammtisch oder bei Festen genauso wie über die sozialen Medien. Barthl Kalb hat die kommunalpolitische Erfahrung als Prämisse gesetzt. Und man muss es aus Überzeugung machen. Es ist ja kein normaler Job, sondern man muss für die Menschen arbeiten. Das geht nur mit ganz viel Leidenschaft: Mit Hand, Herz und Verstand.

Rechnen Sie mit noch weiteren Kandidaten?

Es steht mir nicht zu, über andere zu spekulieren.